ADHS ist weit mehr als Unruhe oder Konzentrationsprobleme. Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung beeinflusst auch Emotionen, Impulsivität und für viele Betroffene ganz konkret den Alltag mit Essen.
Heißhunger, impulsives Essverhalten, Kontrollverlust oder auch stark restriktive Phasen sind Themen, die im Zusammenhang mit ADHS häufiger auftreten – werden aber oft wenig differenziert betrachtet.
In dieser Podcastfolge spreche ich mit Dr. Dorothea Protius, Ernährungswissenschaftlerin, Leiterin des Forschungsteams zur personalisierten Ernährung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Medical & Nutrition Advisor, über genau diese Schnittstelle: ADHS, Ernährung und Essverhalten.
Was ADHS mit Essen zu tun haben kann
ADHS ist eine Neuroentwicklungsstörung, bei der unter anderem neuronale Signalwege rund um Dopamin betroffen sind. Dopamin spielt eine zentrale Rolle für Motivation, Belohnung und Impulskontrolle – und genau hier zeigen sich im Alltag oft Herausforderungen. Viele Betroffene berichten, dass sie Mahlzeiten vergessen, sehr unregelmäßig essen oder plötzlich starke Essimpulse erleben. Andere versuchen, über Kontrolle und Struktur gegenzusteuern, was ebenfalls belastend werden kann.
Hinzu kommen Faktoren wie Stress, Schlafmangel und eine hohe Reizüberflutung im Alltag, die das Essverhalten zusätzlich beeinflussen können. Gerade Blutzuckerschwankungen werden im Zusammenhang mit ADHS häufig diskutiert – nicht als Ursache der Erkrankung, aber als möglicher Verstärker von Symptomen wie Unruhe, Reizbarkeit oder Heißhunger.
Ernährung bei ADHS: Unterstützung statt Heilversprechen
Ein zentraler Punkt der Episode: Es gibt keine „ADHS-Diät“. Ernährung kann ADHS nicht heilen. Sie kann aber unterstützen – vor allem dann, wenn sie alltagstauglich, regelmäßig und nährstoffreich gestaltet ist. Im Gespräch geht es unter anderem darum, warum Struktur beim Essen eine wichtige Rolle spielt, welche Nährstoffe in der Forschung immer wieder diskutiert werden und weshalb personalisierte Ansätze sinnvoller sind als pauschale Empfehlungen.
Auch das Thema Essstörungen wird sensibel eingeordnet. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen ADHS und verschiedenen Formen gestörten Essverhaltens – ohne zu vereinfachen oder zu stigmatisieren. Entscheidend ist der differenzierte Blick: Nicht jede Person mit ADHS hat Probleme mit Essen, aber für viele lohnt sich ein genaueres Hinschauen.
Podcast hören: ADHS, Ernährung & Essverhalten
In der vollständigen Episode sprechen wir ausführlich über aktuelle Forschung, typische Alltagsmuster und realistische Strategien, die ohne Perfektionismus und ohne zusätzlichen Druck funktionieren.
Schau dir das Gespräch auf YouTube an: https://youtu.be/EV1HLeInj78
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